Im Bild zu sehen ist die Emil-Fuchs-Straße 1 in Leipzig ca. im Jahre 1960. Alles sieht grau und einheitlich aus. In diesem Haus wohnten zu diesem Zeitpunkt die Tante meiner Mutter Siegrid Klara Rosch mit Ihrer Tochter in einer winzigen straßenseitigen 1-Raum-Wohung im Souterrain. In dieser Wohnung war wenig Platz, weshalb die Familie Rosch dort nicht lange wohnen konnte. Bei dem Haus handelt es sich um ein wahrlich geschichtsträchtiges Gebäude in Leipzig. Hier wohnte von 1921-1941 der Biologe und Philosoph Hans Driesch. Weiterhin hatte später das Religionssoziologische Institut, welches von Emil Fuchs gegründet und geleitet wurde, in diesem Gebäude seinen Sitz. Trotz des damaligen Alters des Gebäudes von ca. 80 Jahren befindet es sich in einem erstaunlich guten Zustand. Sogar die originale schmiedeeiserne Zaunsanlage ist noch vorhanden. Wahrscheinlich durch die unmittelbare Nähe zur Innenstadt und durch die geschichtliche Bedeutung wurden auch in DDR-Zeiten zumindest minimale Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Dasselbe Objekt aus demselben Blickwinkel am 06.02.2016. Es hat sich außer der fehlenden Balkonanlage kaum etwas verändert. Sicherlich war diese zu marode und im Zuge der Sanierung nicht mehr rettbar. Doch durch deren Fehlen und durch den fehlenden Bewuchs sind die neoklassizistischen Stilelemente wie die Zahnfrieskonsolen unter der Dachtraufe, die Girlandenmotive mit den eierstabartig angeordneten Fenstern im Dachgeschoss, die Säulen und Einfassungen aus Sandstein im Bereich der Fenster und Erker sowie der bossierte Außenputz gut zu erkennen. Die Zaunsanlage ist zwar neu und leicht ortsverändert errichtet worden, jedoch ist sie dem Original gut nachempfunden. Das Fehlen der schmiedeeisernen Balkonanlage mit den kannelierten Säulen ist zwar aus denkmalschutzrechtlicher Sicht schade, stört aber das Gesamtbild wenig. Es handelt sich um ein schönes Beispiel, wie ein über 100 Jahre altes Gebäude bei entsprechender Unterhaltung aussehen kann.

 

  


 

 
Im Bild zu sehen ist eine Farbzeichnung von 1905 des lokalen Bauernmalers Martin Zschille, welche den Hof der Bauernfamilie Köhler in Drogen bei Schmölln, heute Mittelstraße 4, darstellt. Viele wohlhabende Bauern im Altenburger Land ließen damals ihren Besitz und die Ihrigen von nebenberuflichen Malern verewigen. Es handelt sich bei dem gezeigten Köhler`schen Hof um einen klassischen 4-Seitenhof mit Haupthaus, Scheunen, Schweine-, Rinder- und Pferedeställe, Hofgatter und Kräutergarten. Alle Gebäude, bis auf das Haupthaus und rechte Stallgebäude wurden im typischen sächsisch-fränkischen Fachwerkstil errichtet. Das klassizistisch anmutende Haupthaus wurde sicherlich erst im 19.Jh. errichtet und stellt eine Besonderheit unter den Bauernhäusern in der Umgebung dar. Die Größe und Erhabenheit des gesamten Hofes läßt vermuten, daß die Besitzer reiche Großbauern waren und trotz Fronpflicht Einfluß im Ort besaßen. Es waren dies meine Köhler-Vorfahren Jacob Köhler und Dorothea Köhler geb. Lincke im Zeitraum von ca. 1650-1667. Deren jüngster Sohn Jacob, mein weiterer Vorfahr, wurde 1660 auf diesem Hof geboren und ging später nach Gößnitz. Für mich ist dieser Ort der älteste Nachweis eines Wohnsitzes  meiner Köhler-Vorfahren.  Am 02.11.2015 hatte ich Gelegenheit den Köhler`schen Hof in Drogen zu besuchen und wenigstens äußerlich in Augenschein zu nehmen und zu fotografieren. Die gesamte Anlage ist sehr imposant, ca. 60 x 80 m groß. Auf alle Fälle ist diese  zu groß, um sie wie aus der Ansicht von Zschille zu malen, geschweige denn zu fotografieren. Alles sieht dennoch von der Anordnung her so aus, wie es Zschille vor nunmehr 110 Jahren gemalt hat. Sogar die historischen Bauelemente wie Tore, Torsäulen, Zaunsanlagen usw. sind unverändert vorhanden bzw. dem historischen Vorbild bei der Sanierung wieder nachempfunden worden. Alle Gebäude und das Gelände selbst sehen sehr gepflegt aus. Offensichtlich wird der Hof von 2 Familien bewirtschaftet. Es war ein komisches Gefühl für mich, nach nunmehr 350 Jahren an einer Stelle zu stehen, welche für die Entwicklung meiner Familie eine entscheidende Schlüssel-Etappe darstellte. Der Wechsel von Schlauditz nach Drogen ca. 1650 stellte nach 150 Jahren die 2. große Ortsveränderung meiner Familie Köhler dar. Gegen Ende des 17.Jh. muß Jacob Köhler den Hof jedoch verkauft haben, denn er und sein ältester Sohn Zacharias werden später als die Besitzer des "fürstlichen Cammerguthes" in Gößnitz genannt. Die Heimat in Drogen war somit sicherlich eine kurze, aber entscheidende Phase in der Entwicklung der Köhlerischen Familie.

 

  

 


 

 
Mein Großvater Paul Friedrich Küpp als junger 25-jähriger Weichenwärter und Rangierer im Jahre 1931 vor seinem Arbeitsplatz im Rangierbahnhof Leipzig-Mockau, dem Wärterstellwerk W2. Hier in dieser Dienststelle der Deutschen Reichsbahn verbrachte er sein ganzes Arbeitsleben, immerhin 44 Jahre (von 1927-1971). Er war zeit seines Lebens stolz den Beruf eines Eisenbahners ausführen zu dürfen und hat sich im Laufe der Jahre vom einfachen Weichenwärter zum verantwortlichen Fahrdienstleiter (FdL) des Rangierbahnhofs Leipzig-Mockau hochgearbeitet. Trotz seines 1959 erlittenen Schlaganfalls und sozusagen bis zuletzt half mein Großvater bei Personal-Engpässen ungeachtet seiner Dienststellung sowohl als Rangierer als auch als Bürokraft aus. Das Wärterstellwerk W2 mit demselben Standort meines Großvaters 85 Jahre später, am 30.07.2016. Es ist ein typischer preußischer Klinker-Industriebau der Jahrhundertwende, immer noch gut zu erkennen durch die Klinker-Ziegel-Auskragungen als Schmuckornamente sowie die unterschiedlichen Ziegelfarben der umlaufenden Schmuckbänder. Sogar die Schwelle zum Gleiskörper, vor der mein Großvater im linken Bild steht, ist noch sehr gut zu erkennen. Obwohl das Untergeschoss (Seilspannraum) nicht mehr genutzt wird, das Gebäude heruntergewirtschaftet aussieht und sicherlich bald der endgültigen Stillegung entgegensieht, steht es doch zusammen mit dem Befehlsstellwerk B1 in der Denkmalliste von Leipzig-Mockau. Derzeit beginnt der Umbau des Rangierbahnhofs Mockau mit der Integration eines neuen S-Bahn Haltepunkts, hoffentlich bleiben die Gebäude erhalten...


 

   
Das Bild zeigt meinen Vater Stephan Köhler im Sommer 1973 auf der Wartburg unterhalb des Elisabethenganges. Er war zum damaligen Zeitpunkt Soldat (Wehrpflichtiger) der Grenztruppen der DDR und zur Grundausbildung in Eisenach in Thüringen stationiert. Dies war für ihn eine schwere Zeit und er war natürlich bestrebt, jede freie Minute außerhalb der Kaserne zu verbringen. Dafür bot sich u.a. die Wartburg geradezu an, da die paar Stunden Ausgang sowieso für lange Ausflüge bei Weitem nicht ausgereicht haben. Der gleiche Ort 41 Jahre später am 10.06.2014. Die Kanone ist nicht mehr diesselbe, diese wurde im Burgbereich auf eine andere Lafette montiert. Nach genauer Betrachtung scheint es sich aber um die gleiche Lafette (nur restauriert) wie auf dem linken Bild zu handeln. Die Metall-Beschläge, Achse und Räder stimmen jedenfalls überein. Auch am linken Bildrand fällt bei dem überputzten Mauerwerk auf, daß sich darunter abzeichnende Steine gleichen. Als ich dieses Motiv fotografierte, mußte ich unweigerlich an meinen Vater denken, welcher mir viel von seiner damaligen Armeezeit erzählt hatte...

 

   
Im Bild zu sehen ist das Haus von Julius Robert Rosch, dem Bruder meiner Urgroßmutter Emilie Emma Rosch, in Rötha Heimstätten 255L (heutige Nr. 8) im Jahre ca. 1930. Über ihn und seine Familie ist wenig bekannt, mindestens seit 1912 ist er in Rötha wohnhaft. Sichtbar stolz steht die Familie Rosch vor ihrem neuen Heim. Es handelt sich um ein typisches Bauwerk im Stile der Gartenstadtbewegung bzw. des Bauhausstiles. Besonders augenfällig sind die schönen blumenbemalten Lambourkins (Blenden der Außenjalousinen) sowie die große Fledermausgaupe im Walmdach. So sieht das gleiche Objekt am 10.03.2017 aus. Die Grundkubatur ist noch eindeutig zu erkennen, obwohl der später angesetzte Anbau auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig erscheint. Die Fensteranordnungen, die schmalen Fensterfaschen sowie Putzfassade mit Dachkasten und Natursteinsockel befinden sich noch im Original. Nur die schöne Fledermausgaupe ist leider einer profanen Schleppgaupe gewichen. Das ganze Haus macht einen sehr gepflegten Eindruck, die Farbkomposition wirkt gerade bei Sonneneinstrahlung sehr frisch. Die heutigen Eigentümer scheinen keine Nachkommen der Familie Rosch mehr zu sein.

 

Hier handelt es sich um das Haus Talstraße 10 in Freital ca. im Jahre 1937. Zu diesem Zeitpunkt wohnte hier die Famile des Porzellanbrenners Gustav Alexander Huth mit seiner Frau Anna Hulda geb. Rosch aus Gestewitz und seinen Kindern Klara und Hulda Huth. Es handelt sich um das Heimathaus von Klara und Hulda. Klara Huth ehelichte im Jahre 1921 den zweitjüngsten Bruder ihrer Mutter und kehrte mit diesem in die ehemalige Heimat ihrer Mutter nach Gestewitz zurück. Aus dieser Verbindung entstand die 1922 geborene Sigrid Klara Rosch. Auf dem Bild zu sehen die Mutter Klara Rosch geb. Huth in der 1, Etage am 3. Fenster von links  und unten vorm Haus im Garten sitzend Sigrid Rosch. Dasselbe Gebäude am 12.03.2017. Immer noch ist die Gebäudestruktur klar zu erkennen, obwohl die Gliederungselemente der Fassade und Fensterelemente nicht mehr vorhanden sind. Es fehlen die Gurtbandgesimse und die Traufprofilierung. Der Garten ist noch vorhanden und es scheint so, als ob die beiden Obstbäume im Vordergrund diesselben wie auf der historischen Ansicht sind, nur eben älter. Das auf dem linken Bild sichtbare stattliche Klinkergebäude ist wahrscheinlich ein Opfer des II. Weltkrieges geworden, heute ist dieses Grundstück unbebaut.

 

   
Die Ansicht des Wolfram`schen (Bachmann`schen) Hofes in Pörmitz in Thüringen im Sommer 1912. Da es im Dorf mehrere Familien Wolframs gab, erhielten diese zur Unterscheidung entsprechend ihrer Lagen im Dorf Beinamen. Meine Wolframs besaßen den Beinamen Bachmann, da sich deren Hof am Mühlbach befand. Auf der Aufnahme befindet sich links der Hof der Familie Wolfram, rechts der Hof der Familie Linke. Es handelt sich um traditionelle 4-Seit-Höfe mit Fachwerkbebauung in einer Runddorf-Bebauung um die Kirche. Im Vordergrund befindet sich meine Großmutter als Kleinkind auf dem Arm meiner Urgroßmutter. Auf dem Hof Wolfram wurde mein Urgroßvater mütterlicherseits, Paul Otto Wolfram, 1885 als ältester Sohn  geboren. Meine Großmutter Dora Emma Wolfram verbrachte hier einen großen Teil Ihrer Kindheit und Jugend. Auch später war Sie oft hier zu Besuch. So konnte sie mir viel von Ihren Erlebnissen in Pörmitz wie auch manche Begebenheit erzählen. Diesselbe Perspektive am 08.07.2017 auf die heutigen Adressen Ortsstraße Nrn. 52 (Wolfram) und 55 (Linke) in Pörmitz. Nur noch die Kubaturen verraten den Bezug zur historischen Bebauung. Nach 105 Jahren hat sich die Optik fast zu 100% verändert. Beide Haupthäuser der Höfe sind Neubebauungen gewichen. Ich selber habe den Neubau des Hauses Wolfram Anfang der 1980er Jahre bei Besuchen mit meiner Tante und Großmutter miterlebt. Von dem alten Bauernhaus waren damals nur noch Fußbodenfliesen im EG zu erkennen. Die kleinen eingezäunten Gartengrundstücke vor den Höfen (ursprünglich Kräutergärten) sind nur noch als Bordaufkantungen mit Zierbepflanzung zu erkennen. Vor kurzem wurden die öffentlichen Straßenbereiche mit Gehwegen und historischen Pflaster neu angelegt. Alles sieht frisch und sehr sauber aus.

 

Die Ansicht der Zittauer Str./Ecke Stettiner Straße ca. im Jahre 1925. Auch dieser Ort ist mit dem täglichen Leben meiner Familie und meinen Kindheitserinnerungen verbunden. Die Gegend ist durch Bauten der 1910er/20er Jahre geprägt. In Bildmitte im Hintergrund ist erkennbar, daß das Haus Zittauer Str. 12 noch nicht erbaut ist. Zu sehen ist der Giebel des Hauses Dimpfelstraße 50. Im Vordergrund befinden sich mehrere Läden als typisches Kleingewerbe. In der Kneipe "Zum Anker" links im Bild war in den 60er Jahren mein Onkel Stammgast. Rechts befand sich damals eine Konfesserie, später in den 60er Jahren die Kolonialwarenhandlung Bogomil und noch später zu meiner Zeit bis Anfang der 80er Jahre ein Fischgeschäft. U.a. hier wurden die täglichen Besorgungen der Familie Küpp erledigt. Bis 1978 führte mich auch mein täglicher Weg in den Kindergarten nach Neu-Schönefeld hier vorbei, meine Mutter fuhr von hier aus auf Arbeit. Dersselbe Blick ca. 92 Jahre später am 06.08.2017. Die Gegend sieht auch nach dieser langen Zeit nahezu unverändert aus, trotz Einwirkungen verschiedener Gesellschaftsformen und eines Weltkrieges. Alle Fassadendetails sind noch im Original vorhanden bzw. wurden in erfolgten Sanierungen wiederhergestellt. Bis auf ein paar Details wie Einfriedungen, Änderungen an der Straßenbeleuchtung, der Vegetation, des Kneipeneingangs sowie die zeittypische Straßenbeschilderung sind alle Bauelemente noch wie ehedem erhalten. Sogar die alten Reklame-Fassadenbänder am rechten Eckhaus sind noch original vorhanden. Leider ist der Laden seit längerer Zeit leerstehend. Im linken Eckhaus hat sich ein neues Etablissement einquartiert, eine Shisha-Bar.