Das Foto zeigt die Ecke Geiststraße/Universitätsring in Halle/Saale in der nördlichen Innenstadt im Jahre 1882. In Bildmitte im Hintergrund erkennt man ein Eckgebäude mit Uhrenturm sowie weitere dahinterliegende Gebäude. In einem dieser Gebäude (Geiststraße 28) wohnte im Jahre 1879  der Cousin meines Vorfahren, der Tapezierer August Rudolf Küpp. So wie auf diesem Foto dargestellt muß er die Gegend erlebt haben zusammen mit dem damals brandneuen Transportmittel, der Pferdestraßenbahn.

geiststrae lang 2012 geschnitten 2 kleiner Diesselbe Ansicht am 15.01.2012. Von den historischen Gebäuden besteht in der ursprünglichen Form nach 130 Jahren nur noch das Eckgebäude mit Uhrenturm. Selbst das vorspringende Gebäude auf der linken Straßenseite scheint umgebaut worden zu sein. Nur die Straßenbahn fährt weiterhin durch die Geiststraße, heute natürlich als elektrische Straßenbahn
Nochmal die Ecke Geiststraße/Universitätsring in Halle/Saale, diesmal im Jahr 1960. Erstaunlicherweise ist fast die gesamte Bebauung des späten 19. Jh. immer noch vorhanden. Der bauliche Zustand der Häuser scheint altersentsprechend noch in Ordnung zu sein. Es waren die frühen bis mittleren DDR-Zeiten, in denen es wirtschaftlich noch bergauf ging und die Substanz scheinbar noch gepflegt wurde. geiststrae 1960  kleiner
 
Der gleiche Blick ebenfalls am 15.01.2012, also 52 Jahre später. Die historische Bausubstanz ist fast nicht mehr vorhanden. Offensichtlich war diese so marode, daß diese kurz vor oder nach der Wende 1989 abgerissen werden mußte. Die Neubaubebauung paßt sich jedoch dem Charakter der verbliebenen Bebauung an. Zurückblickend kann man sagen, daß sich das Erscheinungsbild der Straßenecke innerhalb der letzten 130 Jahre komplett geändert hat. Wahrscheinlich würde mein Vorfahr August Rudolf Küpp diese nicht wiedererkennen.
 
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Die Emil-Schubert-Straße (Abschnitt zwischen Heinrich-Schmidt-Straße und Trötzschelstraße)  in Leipzig Schönefeld ca. im Jahr 1940. In dieser Straße im Haus 22 wohnten meine Großeltern vom Jahre 1966-1980. Auch mit diesem Ort verbinden mich die Erinnerungen an meine Kindheit. Bereits in den 1970er Jahren fehlten die Einfriedungen an allen Grundstücksgrenzen. Dafür wurden Hecken gepflanzt, welche heute auch schon nicht mehr existieren.
Der gleiche Blick am 27.01.2012. Bis auf die Veränderungen an den Einfriedungen und an der Straßenbeleuchtung hat sich kaum etwas geändert. Die Fassaden bestehen unverändert und sind allesamt saniert. Durch die unterschiedliche Farbgebung sieht die Straße heute fast freundlicher aus als damals. Zu DDR-Zeiten wechselten sich nur die Farben grau und rot ab, während heute die Fassaden in allen möglichen Mineralfarben leuchten.

 

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Das Ensemble der Schule und Kirche in Großzössen im Jahre 1912. Hier sind meine Vorfahren Johann Christian Rosch sowie Johann Gottlob Rosch zur Schule und in die Kirche gegangen. Das 6-achsige Schulhaus stammt aus dem Jahre 1880, die Kirche in der jetzigen Ansicht aus dem Jahre 1789. Die Gebäude sind baulich in Ordnung, die Bepflanzung sieht gepflegt aus. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wird die Schule von ca. 300 Schulkindern besucht. Im Zeitraum von ca. 1690 - bis 1838 mit Unterbrechung von 1719-1745 haben meine Vorfahren Rosch in Großzössen gewohnt.
Fast diesselbe Ansicht am 25.10.2009. Eine Ablichtung der Gebäude aus dem Blickwinkel wie links war nicht mehr möglich, da daß Terrain vollständig zugewachsen war. Das Schulhaus steht leer und wird wahrscheinlich schon lange nicht mehr als solches genutzt. Wahrscheinlich kurz vor dem 1. Weltkrieg hatte man links einen weiteren Gebäudeflügel zur Kapazitätenerweiterung angesetzt, durch welchen jedoch die schöne Symetrie und wahrscheinlich der Uhrenturm verloren ging. Selbst diese Ansicht ist schon wieder Geschichte. Die Schule wurde 100 Jahre später im 1. Quartal 2012 komplett abgerissen



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Das Naturbad "Am Bagger" in Leipzig-Thekla mit den dahinterliegenden Neubaustraßen Lidice-Straße (zwischen den Blöcken) sowie der Theklaer Straße (vor der rechten Blockbebauung) ca. im Jahre 1985. Die Bebauung ist noch nicht alt, das Naturbad beginnt sich nach der Umnutzung gerade richtig zu rekultivieren. Links im Bild befindet sich schon der Flachbau der "Baggerkneipe". In diesem Wohngebiet, speziell in der Lidice-Straße  wohnen seit Jahren meine Köhler-Verwandten. Meine Großmutter Martha Marianne Hertsch wohnte seit ca. 1990 bis zu Ihrem Umzug ins Seniorenheim 2006 in der Lidice Straße 14 Derselbe Blick am 07.10.2012. Nach 27 Jahren hat sich die Bepflanzung deutlich verändert, die Häuser sind saniert und die gesamte Umgebung lädt zum Spazieren und Erholen ein. Ansonsten ist alles noch so wie es immer war. Die Baggerkneipe ist noch da und heißt heute "Seeterasse am Bagger", die Wegesituation rund um den Baggersee hat sich überhaupt nicht verändert. Meine Köhler-Verwandten wohnen immer noch hier, nur meine Großmutter ist leider 2009 verstorben.



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Die Gaststätte "Sächsischer Hof" in Leipzig-Schönefeld im Jahre 1926 gesehen. Der rückwärtige  Text auf der Ansichtskarte rühmt das Etablissement als erstklassig und trotzdem preiswert. Die Fassadenbeleuchtung unterstreicht den noblen Charakter. Auch meine Eltern Stephan Köhler und Christina Küpp als geborene Schönefelder kennen das Lokal noch in diesem Outfit, in welchem sie sich Mitte 1968 kennenlernten. Ich selber wurde im späteren Jugenklubhaus "Jürgen Schmittchen" (gelegen hinter der damals noch vorhandenen Tordurchfahrt links) im Jahre 1978 junger Pionier. Dasselbe Gebäude aus nahezu demselben Blickwinkel am 11.11.2012. Die linke Aufnahme wurde wahrscheinlich aus größerer Entfernung als die heutige Aufnahme gemacht. Dies ist heute nicht mehr möglich, da dies das hinter dem heutigen Fotostandpunkt liegende Eckhaus zur Gorkistraße verhindert. Von der einstigen Pracht ist heute nicht mehr viel übrig, das Gebäude wirkt abgewohnt und sanierungsbedürftig. Es besitzt noch die originalen Lampenhalter der ehemaligen Fassadenbeleuchtung in der 2. Etage. Die Fenster im EG sind scheinbar in der Höhe geringfügig verkleinert worden, um die Sockelhöhe zu vergrößern.
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Der Schriftzug "Sächsischer Hof" auf der Fassade zwischen 1. und 2. OG im Jahre 1926 Heute im Jahr 2012 fehlt der Schriftzug, aber man kann bei genauem Hinsehen noch die Position der Buchstaben auf dem Originalputz erkennen, besonders die Punkte über dem "ä" sowie das Wort "hof". Nach meiner Erinnerung wurde der Schriftzug in den 80er Jahren entfernt



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Das Kriegerehrenmal in Gestewitz bei Borna im Jahre 1929. Dieses befindet sich mitten im Ort an der Dorfstraße direkt gegenüber dem Grundstück Nr. 30. Dieses Grundstück mit Gebäude gehörte meinem Ururgroßvater Gustav Erdmann Rosch, dessen Familie und Nachkommen es bis ca. 1967 bewohnten. Auf dem Gedenkstein ist als 5. Name von unten der Name des jüngsten Sohnes (Oswald Ehregott Rosch) von Gustav Erdmann Rosch aufgeführt, welcher am 15.07.1918 in Frankreich an der Marne gefallen ist. Was für ein Gefühl mag es für den Vater gewesen sein, jeden Morgen beim Anblick des Gedenksteines an seinen toten Sohn erinnert zu werden. Das Kriegerehrenmal am 16.03.2013. Es steht seit Jahr und Tag seit ca. 90 Jahren an der gleichen Stelle. Meine Befürchtung, daß der Stein einem falschen Traditionsbewußtsein zu DDR-Zeiten zum Opfer gefallen sein könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Die Namen sind trotz Moos - und Algenbefall noch relativ gut lesbar, obwohl die Verwitterung weit fortgeschritten ist. Das eiserne Kreuz und das Eichenlaub sind kaum noch zu erkennen. Der Namenszug "Rosch, Oswald..." ist aber noch einwandfrei zu lesen.



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Das Haus Gestewitz Nr. 30 meines Ururgroßvaters Gustav Erdmann Rosch ca. im Jahre 1905 nach einer Fotografie, welche freundlicherweise durch Rolf Schumann aus Göttingen (meinem Cousin 2. Grades) zur Verfügung gestellt wurde. In diesem Haus wurden im Zeitraum von 1874-1895 insgesamt 13 Kinder, darunter meine Urgroßmutter Emilie Emma Rosch sowie sein Großvater Reinhold Theodor Rosch, geboren. Das Haus befindet sich trotz geringer finanzieller Mittel in gutem baulichen Zustand, durch die Familie Rosch wurde es ständig instandgehalten. Bei dem Gebäude handelt sich um einen typischen Lehmwellerbau des 18. Jh. mit Fachwerkausbildung im EG und OG und Lehmmauerwerk als Fachwerkfüllung. Lt. einem Wertgutachten aus dem Jahre 1962 soll es sogar bereits um 1730 errichtet worden sein. Rechts im Bild zu sehen mein Ururgoßvater Gustav Erdmann Rosch mit seiner 2. Ehefrau Emilie Therese Endmann, welche er 1905 in Eula/Thierbach geheiratet hatte. Fast diesselbe Ansicht am 16.03.2013. Mit Hilfe meiner Tante gelang es mir an diesem Tag, das Gebäude wiederzufinden, von welchem wir bis zu diesem Zeitpunkt annahmen, daß es längst abgerissen sein müßte. Es steht aber unter Denkmalschutz seitens der Gemeinde, weshalb es wohl überhaupt noch vorhanden ist. Bedauerlicherweise wird aber durch den jetzigen Eigentümer nichts zum Erhalt getan. Das komplette Grundstück ist stark zugewachsen, der linke Scheunen-Anbau fehlt komplett, diverse Fenster auf der Giebelseite wurden zugemauert. Die Grundkubatur ist jedoch noch einwandfrei erkennbar, so die Fenstersituation auf der Vorderfassade wie auch daß leicht hervorkragende Lehmmauerwerk des EG mit der Biberdachziegel-Doppeldeckung. Durch die Familie Rosch und deren Nachkommen wurde das Haus noch bis Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts bewohnt. Es handelt sich um ein wahrhaft lebendiges und einzigartiges Familien-Relikt, welches hoffentlich für die Zukunft erhalten werden kann.



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Das Haus Frankenheimer Weg 11 im WK 5 in Leipzig-Grünau im Winter des Jahres 1981. Obwohl die Außenanlagen noch nicht fertig sind, blicken meine Eltern voller Stolz auf das nagelneue Gebäude, in welchem sich ihre neue Wohnung befindet und welche nur mit Glück im real exitierenden Sozialismus zu ergattern war. Zentralheizung, 92 m², 6 m breiter Balkon in Südwestlage, Bad mit Innen-WC. Diese Wohnung war kein Vergleich zu der alten abgewohnten Mansardenwohnung in Leipzig-Schönefeld, mit dem Außen-WC auf halber Treppe und den tausend Löchern im Dach. Das war Luxus pur, wie ein Lottogewinn, sozusagen das Ende der Fahnenstange. Mehr war für einen einfachen Angestellten ohne eignen Grundbesitz nicht drin. Hier in der 4. Etage habe ich nach dem Umzug meiner Eltern von 1981 - ca. 1992 die restlichen Jahre meiner Jugend verbracht.
Mein Vater hat diese Wohnung, vor allem den Balkon, sehr geliebt. Er wollte hier niemals ausziehen und somit haben meine Eltern auch bis zum Tod meines Vaters im Jahr 2004 hier zusammen gewohnt.
Dasselbe Haus, derselbe Blick am 21.04.2013. Am Gebäude außen  hat sich nicht viel verändert, außer das es neue Fenster und Eingangstüren erhalten hat. Gleichwohl haben sich aber die Zeiten gründlich geändert. Kaum einer achtet heute diese Art von Häusern, kaum einer will mehr in ihnen wohnen. Alle reden nur verächtlich von der "Platte", ohne sie selber zu kennen oder jemals in ihr gewohnt zu haben. Dieses künstliche schlechte Image ist auch einer der Gründe, weshalb wohl dieser Blick spätestens Ende 2013/Anfang 2014 Geschichte sein wird. Das Gebäude wurde bereits weitgehend "freigelenkt" und steht kurz vor dem Abrißbeginn. Bei der Wohnungsverwaltung ist man der Meinung, diese Häuser nicht mehr zu benötigen und sie somit (noch mit Förderung des Landes Sachsen) schnellstmöglich abzureißen. Ein wirtschaftlicher Wahnsinn, wenn man bedenkt wieviel Zeit, Geld, Mühe und Arbeit diese Gebäude gekostet haben unter den damaligen Wirtschaftsbedingungen, das diese auf einen Mindestnutzungszeitraum von 80-100 Jahren ausgelegt waren und das diese zum jetzigen Zeitpunkt bautechnisch fast völlig in Ordnung waren.